Einer für alle, alle für einen. Das Sozialverhalten des KaninchensSozialverhalten von Kaninchen

Ein Kaninchen ist nicht unbedingt eine Quasseltante, das steht fest. Stumm ist es jedoch noch lange nicht. Denn Kaninchen haben eine ganz eigene Form der Verständigung entwickelt, die vor allem aus Körper- und Duftsignalen besteht. Mit etwas Übung können auch Sie verstehen, was Ihr pelziger Freund Ihnen sagen will. Ein erster Einblick in das faszinierende Sozialverhalten der kleinen Stallbewohner kann hierbei nicht schaden.

 

Gemeinsam sind wir stark

Kaninchen leben – auch in freier Wildbahn – in individualisierten Verbänden. Ein solcher Sozialverband hilft dabei, sich vor Fressfeinden zu schützen, indem man sich gegenseitig warnt oder im Ernstfall auch todesmutig verteidigt. Außerdem können Reviere gemeinsam besser abgegrenzt und vor Eindringlingen geschützt werden. Auch die erfolgreiche Fortpflanzung ist durch das Angebot an Sexualpartnern innerhalb der Gruppe gesichert. So schließen sich in jedem Frühjahr kleinere Kaninchengruppen von bis zu zehn Tieren zusammen, besetzen gemeinsam ein kleineres Territorium und beginnen mit der Familienplanung. Diese Kleingruppen wiederum bilden einen Verband von bis zu hunderten von Tieren, die in enger Nachbarschaft leben.

Die Rangordnung innerhalb der Gruppen erinnert ein wenig an menschengemachte Staatssysteme: Ein Alpha-Rammler herrscht über die anderen Rammler, eine Alpha-Häsin wiederum über den weiblichen Teil der Sippe. Ranghöhere Weibchen sind in der Regel aggressiver gegenüber rangniederen Tieren als die Rammler. Eine „Amtszeit“ beträgt zirka zwei Jahre, danach werden die Leittiere im Normalfall abgelöst und die Rangordnung neu geklärt. Sie kann aber auch ein Leben lang bestehen bleiben – so zum Beispiel in Gefangenschaft, wo sich der Bestand der Gruppe kaum ändert.

‚Individualisiert‘ ist dieser Verband, da die Tiere sich untereinander kennen, mehr oder weniger engen Kontakt haben, und zwischen herdenzugehörigen und fremden Tieren unterscheiden. Woran erkennen Sie die Mitglieder Ihrer Familie und enge Freunde? Natürlich am Aussehen, an der Stimme und, seien wir ehrlich, auch am Geruch. Das gleiche Prinzip ist bei Kaninchen der Fall.

 

Kleine Sprachtalente

Kaninchen sind wahre Sprachgenies: Sie sprechen eine Laut-, eine Gebärden- und eine Duftsprache. Zur oralen Verständigung gehört das Brummen, das Männchen meist von sich geben, um um ein Weibchen zu werben. Fiepen hört man beim Nachwuchs als Schrei nach der Mutter oder als Hungerlaut. Wirklich laut wird ein Kaninchen nur, wenn es Todesängste aussteht. Dann kreischt es in heller Aufregung. Ärger, Unmut oder Schmerzen drückt das Tier durch Zähneknirschen, aufgeregtes Gemecker oder Knurren und Fauchen aus.

Eindrucksvoller und deutlicher als die auditiven Signale sind diejenigen des Körpers. Liegt Ihr Kaninchen lässig da, hat den ganzen Körper gestreckt und die Läufe von sich gereckt, ist es zufrieden und ruhig. Ebenso in bequemer Sitzhaltung. Wälzen ist auch ein Zeichen für Wohlbefinden. Ein in geduckter Position flach auf den Boden gepresstes Kaninchen ist jedoch keineswegs entspannt, sondern möchte sich entweder unterwerfen oder am liebsten „im Erdboden verschwinden“, findet also die Situation unangenehm. Hierbei sind die Beine unter dem Körper angewinkelt, das Kaninchen ist fluchtbereit.

Hat das Tier sich plötzlich erschreckt, erstarrt es zu einer Salzsäule. Will es die Lage sondieren, stellt es sich aufrecht hin, schnuppert angespannt und hält Ausschau. Hat es etwas entdeckt und möchte es anderen mitteilen, trommelt es mit den Hinterläufen auf den Boden. Wichtiger Signalträger sind auch die Ohren: Aufgestellt bedeuten sie Aufregung, Neugier, Anspannung. Dicht an den Kopf gedrückt können sie Angst erkennen lassen. Entspannte Ohren heißen entspanntes Kaninchen. Mögen sich Kaninchen, stupsen sie sich an und lecken sich ab. Das festigt soziale Bande.

Der ganz eigene Geruch der Tiere dient gewissermaßen als Personalausweis und Visitenkarte. Mit den Kinn- und Analdrüsen markieren die Kaninchen ihr Revier, die Leistendrüsen zeigen anderen Tieren, welches Geschlecht sie haben, ob sie zur Familie gehören und ob sie – als Weibchen – paarungsbereit sind. Wer die Kaninchensprache versteht – auch wenn es schwer werden könnte, sie zu sprechen – kann seine Tiere besser einschätzen, auf sie reagieren und sie pflegen. Und wer weiß, vielleicht können Sie sich bald „Kaninchenflüsterer“ nennen.

 


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