Vom Cuniculus zum Karnickel. Die Abstammung des Kaninchens

Kaninchen AbstammungIhr pelziger Stallhase ist gar kein Hase. Und ihr kleiner Nagezahn ist gar kein Nager. Wussten Sie das? Nein? Dann sollten Sie sich diese kleine Abhandlung über die Abstammung Ihres Kaninchens auf jeden Fall durchlesen. Ansonsten natürlich auch, denn die Geschichte des Hauskaninchens ist so faszinierend wie spannend.

Vor Jahrmillionen kamen die Urahnen unseres Hauskaninchens vermutlich aus Asien nach Europa und Nordafrika. Dort siedelten die – damals natürlich noch nicht domestizierten – europäischen Wildkaninchen in Portugal, Spanien, Nordafrika und Südfrankreich. Der Mensch brachte sie anschließend auf Schiffen, wo sie als Proviant dienten, in andere Teile Europas, nach Afrika, Amerika, Neuseeland und Australien. Heute sind sie auf dem gesamten Erdball verteilt und vermehren sich rasant.

 

Der graue Höhlenbewohner – ein Hase?

Im Gegensatz zu den bunten Hauskaninchenrassen hat das Europäische Wildkaninchen ein graues bis bräunliches Fell, wiegt etwa ein bis zwei Kilogramm und ist 35 bis 45 Zentimeter lang. Es bevorzugt die Dämmerung, um beispielsweise auf die Suche nach seiner bevorzugten Nahrung – Gras und saftigen Pflanzen – zu gehen. Ansonsten schläft und lebt das Wildkaninchen zusammen mit bis zu mehreren hundert Artgenossen in unterirdischen Bauten, die es sich selbst gräbt. Daher stammt übrigens auch der Name „Kaninchen“, abgeleitet vom lateinischen Wort „cuniculus“ für „Höhle“. Durch seine Tarnfarbe, seine Geschwindigkeit und seine scharfen Sinne kann sich das Wildkaninchen ausgezeichnet vor Fressfeinden wie dem Fuchs, dem Greifvogel oder dem Wiesel schützen.

Lange Löffel, Stupsnäschen, Nagezähne – ist das denn kein Hase? Nein, jedenfalls nicht das, was man landläufig unter Hase versteht – nämlich ein Feldhase. Der Feldhase ist größer, schlanker und leichter als sein pummeliger Doppelgänger und hat längere Ohren. Außerdem lebt er – ein entscheidender Unterschied – allein in Bodenmulden, nicht in Verbänden unter der Erde. Dass man das weibliche Kaninchen Häsin nennt, ist also irreführend. Feldhasen findet man nicht in heimischen Ställen, denn sie eignen sich kaum zur Domestizierung und vermehren sich in Gefangenschaft schlecht.

In der Systematik beginnt die Aufspaltung von Hase und Kaninchen schon nach der gemeinsamen Familie. Zwar gehören beide noch zu den Hasen (Leporidae), allerdings zählen die Europäischen Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) zur Gattung der Europäischen Kaninchen (Oryctolagus), der Feldhase (Lepus europaeus) allerdings zu den Echten Hasen (Lepus). Weder Hase noch Kaninchen sind übrigens Nagetiere, sondern gehören zur Ordnung der Hasenartigen. Warum das? Von außen sieht ihr Gebiss zwar dem der Nagetiere – wie dem des Meerschweinchens – ähnlich, allerdings besitzen sie ein weiteres Paar Schneidezähne. Ihre Vorderbeine können außerdem nicht zum Greifen verwendet werden.

 

Kaninchen im Kloster und Industriegebiet

Wie wurde nun aus dem wilden Langohr ein Hauskaninchen? Die Domestizierung begann schon in der Antike. Zwar lässt sich der Beginn dieser Entwicklung nicht genau datieren, allerdings taucht die Haltung des Kaninchens in ummauerten Gehegen bereits im 1. Jahrhundert vor Christus in einem Schreiben des römischen Gelehrten Varro auf. So hielt man die Tiere als Fleischlieferanten in Steingehegen, Kaninchengärten und auf Inseln. Besonders in Klöstern waren neugeborene Kaninchen als Fastenspeise beliebt.

Ab dem 16. Jahrhundert begann dann die Rassezucht, die sich in den folgenden Jahrhunderten zur heutigen Form entwickelte. Deutsche Soldaten brachten die moderne Käfighaltung Ende des 19. Jahrhunderts aus Frankreich nach Deutschland, was eine gezieltere Zucht und übersichtlichere Haltung als diejenige in Großviehställen ermöglichte. Besonders in beengten Wohnverhältnissen wie den großstädtischen Industrievierteln war das Kaninchen als Nutztier beliebt, da es sich auf engstem Raum halten ließ und sich schnell vermehrte (artgerecht war das natürlich nicht!). Heute variieren die Hauskaninchenrassen vom monströsen Deutschen Riesen zum winzigen Farbenzwerg, stammen jedoch alle von ihrem grauen Urahnen ab.

 

 


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