Lernen leicht gemacht (1): Das Lernverhalten von Hunden

Das Lernverhalten von Hunden ist ebenso individuell wie die Vierbeiner selbst. Doch auch rassespezifische Veranlagungen, frühe Lernanreize, eine aufregende Umgebung, die Erfahrungen und das Befinden des Hundes sowie die Stimmung des Zweibeiners tragen wesentlich zum Lernerlebnis bei. Ein erfolgreiches Training bedarf einer gezielten Planung und sollte diese Einflüsse zumindest ansatzweise berücksichtigen, um auf lange Sicht erwünschte Fortschritte zu erzielen.

Lernen auf unterschiedlichen Wegen

Hund ErziehungDer Lernprozess findet nicht nur während des offiziellen Trainings statt, denn Hundehalter senden ihren tierischen Begleitern auch unbewusst Signale: Soll der Hund z. B. nicht am Tisch betteln, so wäre es natürlich kontraproduktiv, ihn vom Tisch zu füttern. Nachlässigkeit kann ebenfalls zu unerwünschtem Verhalten bei Hunden führen, daher sollte Essen idealerweise auch nicht versehentlich vom Tisch fallen.

Hunde sind in der Lage, Reize miteinander zu verknüpfen. Wurden sie beispielsweise auf den Klicker konditioniert, so wissen sie, dass auf den Klick eine Belohnung folgt, und verbinden ihn mit einer positiven Erfahrung. Für das Lernen durch Verknüpfung ist es zunächst wichtig, einen Zusammenhang zwischen Reiz und Handlung herzustellen (Konditionierung). Beim Klickern geschieht dies durch den Klick und die direkte Leckerligabe – nach wenigen Wiederholungen ist der Hund auf das Klicken konditioniert und wird beim Klick bereits ein Leckerli erwarten.

Genau wie wir lernen auch Hunde aus Erfahrungen, Versuch und Irrtum. Folgt eine angenehme Reaktion, möchte der Hund das Verhalten wiederholen – unangenehme Reaktionen versucht er zu vermeiden. Im Training lassen sich Signale in Form von Hör- und Sichtzeichen sowie Belohnungen anwenden, die jedoch einer regelmäßigen Wiederholung bedürfen, um sie zu festigen.

Training im Alltag

Um das Gelernte langfristig zu festigen, empfiehlt es sich, die bereits bekannten Signale in wechselnden Situationen und an verschiedenen Orten abzufragen, so etwa beim Gassi gehen, beim Einkaufen, am Straßenrand usw. Hierbei sollten Hundehalter Stresssituationen vermeiden und sich nicht ablenken lassen. Im Idealfall ist das Hundetraining abwechslungsreich gestaltet und in kleine Einheiten aufgeteilt, die wiederholt werden. Es ist darauf zu achten, dass Vier- und Zweibeiner konzentriert sind und das Tempo für beide Seiten angenehm ist.

Der richtige Übungsaufbau

Es kann hilfreich sein, sich im Vorfeld einige Fragen zu stellen:

Welches Ziel habe ich?
Beispiel: Der Hund soll auf Abruf zu mir kommen: Soll er vor mir stehen bleiben, sich neben mich stellen oder sich hinsetzen? Ein klar definiertes Ziel ermöglicht präzises Training.

Welches Tempo ist angemessen?
Auch kleine Schritte führen zum Ziel. Bei „Sitz auf Distanz“ bedeutet das z. B., erst von Nahem zu üben und die Distanz schrittweise zu vergrößern, sobald die Übung auch unter Ablenkung sicher klappt. Nicht vergessen: angemessenes Lob für jeden Zwischenerfolg!

Wie viel Ablenkung verträgt mein Hund?
Es ist ratsam, den Hund stets genau zu beobachten, um einschätzen zu können, ob der Stresslevel in einer bestimmten Situation zu hoch ist und ggf. angepasst werden muss. Daher empfiehlt es sich, anfangs völlig ohne Ablenkung zu trainieren und die Intensität erst mit der Zeit zu steigern.

Wie belohne ich den Hund richtig?
Loben Hundehalter nur erwünschtes Verhalten, lernt der Hund schnell, was man von ihm erwartet. Hier kommt es jedoch auf den richtigen Moment an, da zu frühes oder zu spätes Belohnen auf falsches Verhalten abzielen kann.

Tipp: Sobald der Hund nicht mehr richtig konzentriert ist, sollten die Zweibeiner die Übungseinheit mit einer leichten Aufgabe abschließen und den Hund kräftig belohnen, um das Training erfolgreich zu beenden; hierdurch macht der Hund eine positive Erfahrung und freut sich auf die nächste Trainingsstunde.  

 

zu Teil 2

 

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