Von Wildfängen und Menschenfreunden. Meerschweinchen kennenlernen und zutraulich machen

Die eine ist ein Angsthase, der andere ein echter Draufgänger, mal schüchtern, mal forsch, manche sind menschenbezogen, andere wahre Wildfänge. Eins ist sicher: Jedes Schweinchen hat Charakter, und genau darauf muss man achten, will man ein echtes Band der Freundschaft zwischen Mensch und Tier knüpfen.

 

Meerschweinchen langsam zähmenEntscheidende Prägephase

Wichtig für die Beziehung zum Zweibeiner ist die entscheidende Prägephase der kleinen Meerschweinchen. Schon als jugendlicher Nestflüchter muss ein Tier gute Erfahrungen mit dem Menschen gemacht haben, damit es später keine unüberwindbare Scheu zeigt. Zutrauliche Eltern, bei denen das Meerschweinchen eine unbeschwerte Kindheit verlebt, und ein behutsamer Kontakt zu Menschen, der nie in Zwang und Überforderung ausartet, bilden Vertrauen und Selbstbewusstsein und sind die Grundlage Ihrer Meerschweinchenfreundschaft. Deshalb ist es so wichtig, Meerschweinchen nur aus guten Händen zu übernehmen. (à Anschaffung)

Muten Sie Ihren Tieren in den ersten Tagen nach dem Einzug nicht zu viel zu. Der kleine Vierbeiner wird genug damit zu tun haben, seine Umgebung, sein neues Zuhause und seine Mitbewohner zu erkunden. So gern Sie schon einmal Kontakt zu den Kleinen aufnehmen würden, halten Sie sich zurück. Überstürzte Annäherungsversuche sind kontraproduktiv und können die Vertrauensbasis zerstören. Je weniger Geduld Sie jetzt an den Tag legen, desto länger wird es später dauern, bis Ihr Tier zutraulich wird. Also gilt es: Nicht hochnehmen, nicht streicheln, nur füttern, tränken und aus der Ferne beobachten. So können Sie auch besser einschätzen, um was für einen Typ Meerschwein es sich bei Ihrem neuen Mitbewohner handelt. Was frisst er gern? Wie geht er mit den anderen Meerschweinchen um? Ist er eher zurückhaltend oder draufgängerisch, ruhig oder aktiv?

 

Behutsame Annäherung

Hüten Sie sich davor, zwei oft gehörte Ratschläge zu befolgen: Einer lautet „ein einzelnes Meerschweinchen wird zahmer.“ Das ist nicht nur falsch, sondern auch unverantwortlich. Meerscheinchen sind gesellige Tiere und brauchen die Nähe von Artgenossen, um glücklich zu sein. Andere sagen: „Geben Sie dem Meerschweinchen in den ersten Tagen keinen Unterschlupf, dann kann es sich nicht verstecken und muss sich an Sie gewöhnen.“ Auch das ist falsch. Zwang ist keine Grundlage für eine Beziehung zwischen Mensch und Tier, und ein verschüchtertes, ängstliches Meerschweinchen wird sich bestimmt nicht schneller mit Ihnen vertraut machen als eines, das sich in seiner Umgebung sicher fühlt.

Haben Sie Ihr Tier zwei bis drei Tage passiv beobachtet und das Meerscheinchen hat sich eingewöhnt, können Sie sich ohne viel Aufhebens neben den Käfig oder das Gehege setzen und sich ein wenig mit ihm unterhalten. Wenn Sie möchten, dürfen Sie ihm auch etwas aus Ihrem Lieblingsbuch vorlesen. Es wird zwar nicht viel zu Ihrem Literaturkurs beizutragen haben, wird jedoch mit Ihrer Stimme vertraut. Vermeiden Sie heftige, schnelle Bewegungen und laute Geräusche und haben Sie Geduld. Da Meerschweinchen von Natur aus neugierig sind, werden sie irgendwann an den Käfigrand kommen und Sie mustern und beäugen.

 

Körperkontakt

Meerschweinchen zutraulichHalten Sie dann vorsichtig die Hand ins Gehege. Kommt es heran und beschnuppert Sie, können Sie ihm schon ein wenig Futter anbieten. Eine Möhre oder leckere Kräuter mögen das Eis schon brechen, denn Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen. Auch Petersilie oder lange Halme sind sinnvoll, damit das Meerschweinchen sich nagend an Sie herantasten kann. Legen Sie auch die zweite Hand in die Nähe und lassen Sie sie beschnüffeln. Ist bald genug Vertrauen gefasst, kann man das Meerschweinchen auch mit einer Hand füttern und mit der anderen leicht berühren – allerdings nie von oben oder so, dass es Ihre Hand nicht sehen kann.

Wird Ihr Meerschweinchen immer zahmer, darf es auch mal Ihren Körper erkunden und sich zum Beispiel in Ihrem Pulli verkriechen. Meerschweinchen sind jedoch keine Kuscheltiere und legen untereinander auch kaum Wert auf Körperkontakt. Mit dem Menschen verhält es sich genauso, Streicheleinheiten sind also überflüssig. Allerdings missinterpretieren viele Besitzer das Verhalten ihres Schützlings – bewegt es sich beim „Kuscheln“ nicht, bedeutet das meist nur, dass es eingeschüchtert ist und keinen Sinn in der Flucht sieht. Lecken, Anstupsen, den Kopf Hochwerfen sind keine Liebesbekundungen sondern Zeichen von Stress und Abwehr.

Da das Maß an Geduld, das man benötigt, um Vertrauen und einen entspannten Umgang mit Ihrem Vierbeiner zu schaffen, Kindern oft fehlt, sind Meerschweinchen nicht die geeigneten Spielgefährten für Ihre Sprösslinge. Sie sollten sich nur unter Anleitung und Beobachtung mit den Meerschweinchen beschäftigen dürfen und einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen Lebewesen lernen.

 

Auf den Arm genommen

Meerschweinchen StreichelnStändiges Hochnehmen und Herumtragen ist ein Unding für die sensiblen Vierbeiner, denn immer ist mit einem „Höhenflug“ auch Stress verbunden. Deshalb sollte man dies insgesamt vermeiden, führt allerdings kein Weg daran vorbei, kommt es auf die richtige Methode und die behutsame Gewöhnung an. Eine Hand sollte Hinterteil und Bauch unterstützen, die Füße dürfen dabei nicht in der Luft baumeln. Mit Brust oder Bauch verhindert man, dass das Meerschweinchen zur einen Seite wegkippt, mit der anderen Hand sichert man vorsichtig die andere Seite. Nicht quetschen oder drücken! Lassen Sie Ihr Meerschweinchen zu Boden, wenn es anfängt zu zappeln oder zu quieken.

Bis es aber erst einmal soweit ist, sollten Sie sich einige Tage zum Trainieren nehmen. Kraulen und streicheln Sie das Tier am Bauch, bis es sich diese Berührung gerne gefallen lässt. Üben Sie dann ein wenig Druck aus, heben Sie es vorsichtig mit einer Hand ein bis zwei Zentimeter hoch. Wird es nicht mehr panisch, können Sie die zweite Hand hinzunehmen und es versuchen zu tragen. Sie können auch ausprobieren, es mit Leckerchen auf Ihre Hand zu locken, so dass es diesen Vorgang freiwillig mitmacht. Umso entspannter funktioniert das Ganze natürlich. Bevor das Meerschweinchen nicht zahm ist, sollte es nicht frei in Haus oder Garten herumlaufen dürfen. Müssen Sie es dann nämlich notgedrungen einfangen, kann schnell alles zerstört sein, was Sie sich an Zutrauen aufgebaut haben.

Vorsicht, Behutsamkeit und Geduld zahlen sich aus. Ist Ihr kleiner Freund erst einmal davon überzeugt, dass Sie ein netter Kollege sind und ihm nichts Böses wollen, macht der Umgang erst so richtig Spaß.

 


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