Kleine Nestflüchter. Die Fortpflanzung des Meerschweinchens

Sie wollten gar keinen Nachwuchs, haben sich aber aus Versehen eine schwangere Meerschweinchendame ins Haus geholt? Oder Sie sind ein erfahrener Halter und tragen schon lange den Wunsch mit sich herum, einmal Nachwuchs zu haben? Egal, aus welchem Grund Sie zu Meerschweincheneltern werden – wenn man sich an das Wunder Leben heranwagt, gibt es einiges zu beachten.

 

Nichts für LaienMeerschweinchen Nachwuchs

Kein Meerschweinchenlaie sollte aus einer Laune heraus züchten. Solch ein Projekt muss gut überlegt sein. Erst einmal: Ist es wirklich notwendig, noch mehr Meerschweinchen zu produzieren, während die Tierheime überquellen? Haben Sie genug Erfahrung mit der Aufzucht von Jungtieren, um auch mit schwierigen Situationen zurecht zu kommen? Können Sie sich im Ernstfall den Tierarzt leisten? Haben Sie genug Platz für eine kleine Rasselbande? Oder kennen Sie schon gute Hände, in die Sie sie abgeben können? Und – ganz wichtig – sind die Elterntiere gesund, keine Verwandten, haben keine Erbkrankheiten, Zahnfehlstellungen oder sonstiges? Einige Rassen und Farbschläge dürfen nicht miteinander verpaart werden, da sie den sogenannten „Lethalfaktor“ besitzen und zu Totgeburten oder schwerbehinderten Babies neigen.

 

Im besten Alter

Gar nicht so einfach, bei Meerschweinchen den richtigen Zeitpunkt der Verpaarung zu erwischen. Zwar sind Böcke oft schon mit drei bis zwölf, Weibchen mit zirka vier bis zehn Wochen geschlechtsreif, sich wirklich fortpflanzen sollten sie aber erst mit fünf beziehungsweise sechs Monaten. Spätester Zeitpunkt für die Erstbedeckung eines Meerschweinchenweibchens sind elf Monate. Zwischen den einzelnen Würfen sollte ein Mindestabstand von vier und ein Höchstabstand von zwölf Monaten liegen. Nach spätestens vier Würfen ist für einen verantwortungsvollen Züchter Schluss.

Anders als Kaninchen gibt es bei Meerschweinchen alle 14 bis 18 Tage eine Hauptbrunstzeit von etwa zehn Stunden. Nur in dieser Zeit ist die Dame dem Bock auch geneigt. Meerschweinchen tragen ihre Jungen 65-67 Tage im Leib. Erst in der letzten Hälfte der Tragzeit ist ein größerer Bauchumfang zu sehen, später fühlt man auch die Bewegungen der Embryos. Die trächtigen Weibchen sollte man nun nicht mehr hochnehmen, um den Nachwuchs im Bauch nicht zu gefährden. Um die werdende Mutter optimal zu versorgen, muss besonders auf abwechslungsreiches Futter mit viel frischem Grün und Gemüse geachtet werden. Sie haben einen erhöhten Eiweiß- Mineral- und Vitaminbedarf. Jeglicher Stress, zum Beispiel Umzüge oder Gruppenwechsel, ist zu vermeiden.

 

Keine Zeit für Nestwärme

Meerschweinchen JungeDas Meerschweinchenweibchen baut kein Nest, sondern bringt seine ein bis fünf Junge in einer ruhigen Ecke des Geheges zur Welt. Wichtig zu wissen: Meerschweinchenmütter gebären im Sitzen, nicht liegend auf der Seite und auch nicht unter zuckenden Wehen. Sehen Sie ein solches Verhalten, ist das oft ein Zeichen von Schwangerschaftsvergiftung, das Tier muss schleunigst zum Tierarzt! Geht aber alles gut, befreit die Meerschweinchenmama die Neugeborenen so schnell wie möglich von der Eihaut, damit sie gut atmen können. Kurze Zeit später wuseln sie auch schon um ihre Mutter herum – sie sind Nestflüchter. Tun sie das nicht, sondern bleiben teilnahmslos liegen, müssen die Babies auf jeden Fall untersucht werden.

Die Kleinen sind von Anfang an fidel, können sehen, laufen im Gehege herum und nagen sogar schon in den ersten Stunden an festem Futter. Trotzdem säugt die Mutter ihren Nachwuchs zwei bis drei Wochen, während die Jungen sich die Fressgewohnheiten der Alten abschauen. Ob die Mutter dem Säugen gewissenhaft nachkommt, können Sie mit regelmäßigen Gewichtskontrollen überprüfen. Ab dem zweiten Tag sollten die Babies stetig zunehmen. Wenn nicht, unbedingt einen Fachmann zurate ziehen. Achtung! Ab Ende der dritten Woche müssen die Kleinen schon nach Geschlecht getrennt werden, da sie nun schon zeugungsfähig sind.

 

Schluss mit Hotel Mama

Abgabebereit sind die Jungen dann aber noch nicht. Noch bis zur achten Woche lernen die Jungen viel von den Alten, besonders was Sozialverhalten angeht, brauchen ihre Nähe und ihren Schutz und außerdem ihren Kot, den sie zum Aufbau ihrer eigenen Darmflora verspeisen. Mädchen können in dieser Zeit bei ihrer Mutter bleiben. Jungs sollten ab der Geschlechtsreife zu ihrem kastrierten Vater gesetzt werden. Sozial gefestigt sind die Tiere dann nach zirka zwei Monaten, und können ihr eigenes Leben in einer neuen Gruppe starten.

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