Segelnde Weltenbummler. Die Abstammung des Meerschweinchens

Meerschweinchen Abstammung
Es war einmal vor unvorstellbar langer Zeit. Da lebte auf dem afrikanischen Kontinent ein kleiner Stachelschweinverwandter. Den packte eines Tages die Wanderlust, doch sein eigener Erdteil war ihm nicht genug: Auf einem Stück Treibholz segelte er gen Südamerika. Ihm folgten andere Stachelschweinverwandte. Wirklich wahr. Dieser mutige Weltenbummler war ein Urahn unseres heutigen Hausmeerschweinchens.

 

Besiedlung der Neuen Welt

Die Vorfahren Ihres kleinen Käfigbewohners entdeckten die Neue Welt lange, lange vor den ersten europäischen Siedlern. Sie überquerten den damals noch recht schmalen Atlantik im mittleren Tertiär, also vor gut 30 Millionen Jahren. Die ältesten Fossilien wurden in Chile gefunden und können auf 31 Millionen Jahre vor unserer Zeit datiert werden. In Südamerika entwickelte dann durch die weitestgehend isolierte Lage des Kontinents – Nord- und Südamerika waren noch nicht zu einer Landmasse vereint – eine ganz eigene Säugetierfauna.

So entstanden die Meerschweinchenartigen, deren Vielgestaltigkeit von der Besetzung besonderer ökologischer Nischen herrührt. Man denke nur einmal an das Wasserschwein, das sich wie ein Flusspferd an seinen feuchten Lebensraum angepasst hat, oder die langbeinigen Pampashasen, die eher anmuten wie kleine Gazellen. Ihnen allen sind die vier zeitlebens nachwachsenden Nagezähne und die fehlenden Eckzähne gemeinsam – abgesehen davon kommen alle möglichen Formen, Farben und Lebensräume vor.

 

Verwandte des Tschudi-Meerschweinchens

Wo aber lässt sich nun unser Hausmeerschweinchen einordnen? Dass Ihr pelziger Mitbewohner ein Säugetier ist, haben Sie wohl längst erraten. Innerhalb dieser Klasse gehört er zur Ordnung der Nagetiere, die sich wieder in die Unterordnung der Stachelschweinverwandten aufgliedert. Ihnen schließt sich nun die Familie der Meerschweinchen (Caviidae) an, denen die Unterfamilie der Eigentlichen Meerschweinchen (Cavinae) folgt. Diese teilt sich nun wiederum auf in verschiedene Untergattungen. Das heutige Hausmeerschweinchen (Cavia porcellus form. Domestica) ist eine Art und gehört zur Gattung der Echten Meerschweinchen (Caviae). Sein engster wilder Verwandter auf dem amerikanischen Kontinent ist wohl das Tschudi-Meerschweinchen.

Die wildfarbenen, graubraunen bis schwarzen Tschudi-Meerschweinchen siedeln in Savannen, Hecken-, Buschland und auch in den Anden mit Populationen von fünf bis zwanzig Tieren, in denen das Alpha-Männchen allerdings, anders als beim Hausmeerschweinchen, keine Konkurrenten duldet. Als Unterschlupf und Wohnraum dienen ihnen bereits vorhandene Höhlen oder Felsspalten, die sie nicht selbst graben. Im Vergleich zu ihren domestizierten Verwandten sind sie zarter im Körperbau, haben gerade Ohren und eine spitze Schnauze. Ihr Fluchtverhalten ist wesentlich stärker ausgeprägt und sie können mehr als einen halben Meter hoch springen.

 

Vom Landstreicher zum Untermieter

Wann genau aus den wilden Meerschweinchen Hausmeerschweinchen wurden, ist nicht exakt belegt. Forscher gehen von der Zeit zwischen 5000 und 2000 vor Christus aus, in der die Bewohner der Altiplano-Region, gelegen in Peru und Bolivien, die ersten freilebenden Nager zu Hausbewohnern machten – nicht aber weil sie die kleinen Fellknäule so putzig fanden, sondern weil ihr Fleisch so schmackhaft war und sie recht anspruchslos gehalten werden konnten. Man vermutet sogar, dass die Tiere zunächst freiwillig bei ihren menschlichen Wirten einkehrten, und nicht eingesperrt werden mussten. Auch heute noch werden Meerschweinchen in einigen Teilen der Erde als Fleischlieferanten gezüchtet und gemästet.

Dass die Nachfahren der Tschudi-Meerschweinchen nun unsere Wohnzimmer bevölkern, haben wir wohl spanischen oder holländischen Kaufleuten zu verdanken, die die Nager vor zirka 500 Jahren nach Europa importierten. Damals dienten sie aber nicht dazu, gelangweilte Adelssprösslinge als Kuscheltier zu bespaßen, sondern landeten vornehmlich auf dem Teller. Im 18. Jahrhundert fungierten sie außerdem als Labortiere. Erst vor einigen Jahrzehnten wurden die Nager in Europa und Deutschland zu puren Haustieren und brauchen den Kochlöffel – jedenfalls in unseren Breiten – nicht mehr zu fürchten.


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